VP8: Effekte von Pestiziden auf die Biodiversität und innovative Ansätze für den nicht chemisch-synthetischen Pflanzenschutz

Kurz erklärt

Was?

Unser Forschungsinteresse zielt darauf ab, die Belastung landwirtschaftlicher Flächen und angrenzender Landschaften durch chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel (Insektizide, Herbizide, Fungizide) zu untersuchen und deren Einfluss auf die Diversität und Abundanz bestimmter Insektengruppen festzustellen.

Warum?

Auf europäischer und nationaler Ebene wird eine Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln angestrebt, um dem Rückgang der Insektenpopulationen aufzuhalten.

In Baden-Württemberg sieht das Biodiversitätsstärkungsgesetz vor, den Einsatz bis 2030 um 40 bis 50 Prozent zu reduzieren.

Wie?

In 10 verschiedenen konventionell und ökologisch bewirtschafteten Landschaftspaaren werden Boden- und Vegetationsproben von Ackerflächen, Ackerrandstreifen und der umliegenden Landschaft genommen und auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht. Parallel dazu wird die Vielfalt und Diversität verschiedener Insekten erfasst. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Angewandte Entomologie (360c)

Otto-Sander-Str. 5
70599 Stuttgart

in Planung
Teilprojekt Leiter

Prof. Dr. Georg Petschenka


Der Rückgang der Insektenpopulationen ist eine globale Herausforderung (Cardoso et al., 2020), wobei chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel (csPSM) als eine wesentliche Ursache angesehen werden (Sánchez-Bayo & Wyckhuys, 2019; Wagner et al., 2021). Obwohl In Deutschland 283 Pflanzenschutzmittelwirkstoffe zugelassen sind und durchschnittlich 2,8 kg pro Hektar und Jahr ausgebracht werden (Umweltbundesamt 2023), liegen kaum Daten zu den Umweltwirkungen von csPSM auf Nichtzielinsekten vor. Erste Ergebnisse zeigen, dass selbst Insekten in Naturschutzgebieten mit csPSM kontaminiert sind (Brühl et al., 2021) und dass Pestizide auch fernab von landwirtschaftlich genutzten Flächen in der Umwelt gefunden werden (Brühl et al., 2024). Über die Auswirkungen von Pestiziden auf terrestrische Insektengemeinschaften und die Biodiversität ist wenig bekannt.

Ziel des Projektes ist es, die Belastung landwirtschaftlicher Flächen und angrenzender Landschaften mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln zu überprüfen und deren Einfluss auf ausgewählte Insektengruppen zu untersuchen. Es wird geprüft, ob der ökologische Landbau ohne Einsatz von Pestiziden weniger negative oder sogar positive Auswirkungen auf die Biodiversität hat. Zudem werden umweltverträgliche Alternativen zu herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln getestet. Die gewonnenen Ergebnisse dienen als Grundlage für weitere Teilprojekte des Biodiversitätsclusters und werden mit den Gesamtbiodiversitätsdaten zusammengeführt.

Es sollen 10 Landschaftspaare (je 1 km2 Fläche) vergleichend analysiert werden, wobei der Schwerpunkt auf Ackerflächen mit Weizen liegt. Eine der Landschaften soll einen möglichst hohen Anteil an ökologisch bewirtschafteten Weizenfeldern aufweisen, die entsprechende Vergleichslandschaft soll überwiegend konventionell bewirtschaftet sein. Auf allen Flächen wird ein umfassendes Monitoring von 98 aktuell eingesetzten chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln (Insektizide, Fungizide, Herbizide) in Boden- und Vegetationsproben durchgeführt. Die Daten bilden die Grundlage für eine Identifikation von möglichen Mängeln bei der Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln.

Parallel werden detaillierte Biodiversitätsstudien an Tagfaltern, Heuschrecken und Weichwanzen durchgeführt, die sehr empfindlich auf Insektizide reagieren und so Effekte von Pflanzenschutzmitteln auf die Biodiversität aufzeigen.