VP16: Ökonomische Bewertung von NOcsPS-Anbausystemen und Potenzialanalyse verschiedener NOcsPS-Umsetzungsstrategien

Kurz erklärt

Was?

Wir beschäftigen uns mit der ökonomischen Bewertung von NOcsPS-Anbausystemen und der Potenzialanalyse verschiedener NOcsPS-Umsetzungsstrategien.

Warum?

Landwirtschaftliche Anbausysteme ohne den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel sind außerhalb des ökologischen Landbaus bisher kaum zu finden. Da die Wettbewerbsfähigkeit von Anbausystemen ohne Pflanzenschutz, die dennoch nicht ökologisch sind, von den jeweiligen Standortbedingungen und nationalen, regionalen und einzelbetrieblichen Rahmenbedingungen abhängig sind, ist es wichtig, entsprechende Untersuchungen auch für verschiedene Regionen und Betriebe in Deutschland durchzuführen.

Wie?

Unser Arbeitsprogramm unterteilt sich in vier Themenbereiche, die die Wettbewerbsfähigkeit von konventionellen, ökologischen und NOcsPS-Anbausystemen vergleichen, die Potentiale der verschiedener Anbausysteme analysieren und ein Transformationskonzept mit verschiedenen Ausgestaltungs- und Umsetzungsoptionen für ein NOcsPS-Systems erarbeiten. 

Fg. Landwirtschaftliche Betriebslehre (410b)

Schwerzstr. 44
70599 Stuttgart

Dauer:
01.10.2025 – 30.09.2028

Teilprojektteam

Prof. Dr. Enno Bahrs
Teilprojekt Leiter

Prof. Dr. Enno Bahrs

Postdoc

Dr. Beate Zimmermann

Postdoc

Dr. Elisabeth Angenendt


Witte et al. (2024) untersuchten die Möglichkeiten eines Wandels der Landwirtschaft hin zu pestizidfreien, nicht-ökologischen Produktionssystemen in Baden-Württemberg. Sie analysierten modellbasiert die Produktions- und Einkommenswirkungen bei pestizidfreien Anbausystemen. Ihre Modellergebnisse zeigen, dass der wirtschaftliche Erfolg pestizidfreier Anbausysteme im Wesentlichen von den Ertragswirkungen und der Ausgestaltung von Förderhöhen und Preiszuschlägen abhängen. In Deutschland haben staatliche Förderprogramme im Rahmen der EU-Eco-Schemes bisher nicht zu der erwarteten Umsetzung von pestizidfreien bzw. NOcsPS-Anbausystemen geführt (BMEL, 2023). Vor diesem Hintergrund erfordert ein Wandel in der Landwirtschaft hin zu NOcsPS-Anbausystemen eine vertiefende ex-ante Analyse, um das Potenzial verschiedener NOcsPS-Umsetzungsstrategien abzuleiten.

Ziele unseres Teilprojektes sind die ökonomische Bewertung von NOcsPS-Anbausystemen und die Potenzialanalyse verschiedener NOcsPS-Umsetzungsstrategien.

Unsere Hypothesen:

  • NOcsPS-Anbausysteme führen zu höheren Produktionskosten im Vergleich zum konventionellen Anbau und zu geringeren Produktionskosten im Vergleich zum ökologischen Anbau
  • NOcsPS-Anbausysteme führen zu höherem Arbeitszeitaufwand und geringerer Arbeitsflexibilität als bei konventionellen Anbausystemen
  • Durch adäquate Zahlungsbereitschaften für NOcsPS-Produkte können NOcsPS-Anbausysteme mit konventionellen und ökologischen Anbausystemen konkurrieren.
  • Die Wettbewerbsfähigkeit von NOcsPS-Anbausystemen ist regional unterschiedlich
  • Die Ausgestaltung von NOcsPS-Umsetzungsstrategien bestimmt über deren Diffusion in der Landwirtschaft und im Markt

Unser Arbeitsprogramm gliedert sich in vier Teilbereiche:

WP1: Ökonomische Bewertung von NOcsPS-Anbausystemen im Vergleich zu konventionellen und ökologischen Anbausystemen

Mithilfe von Kosten-Leistungsrechnungen wird die Wettbewerbsfähigkeit von konventionellen, ökologischen und NOcsPS-Anbausystemen für die beiden Versuchsstandorte Hohenheim und Dahnsdorf untersucht. Dafür werden Inputs und Outputs für die einzelnen Produktionsverfahren und Fruchtfolgen auf der Basis von Daten aus den Systemversuchen ermittelt.

WP2: Ermittlung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit von NOcsPS-Anbausystemen

Für einen regionalen Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit von NOcsPS-Anbausystemen, werden für verschiedene Regionen in Deutschland (Bundesländer bzw. Kreise) Kosten- und Leistungsrechnungen für relevante Kulturen und konventionelle Anbausysteme ermittelt. Dafür werden statistische Daten zu Anbauflächen, Erträgen, Preisen, natürlichen Bedingungen sowie Daten verschiedener Institutionen (Landwirtschaftsbehörden, Erzeugerorganisationen, Interessenvertreter) zu Inputs und Outputs ackerbaulicher Produktionsverfahren genutzt.  

Ergänzend werden Ergebnisse der Pflanzenwachstumsmodelle des Clusters Systemmodeliierung Pflanzenbau genutzt (VP13,14), die Ertragswirkungen von NOcsPS-Anbausystemen unter biotischem und abiotischem Stress unter Berücksichtigung des Klimawandels für verschiedene Regionen in Deutschland und für unterschiedliche Bewirtschaftungsmethoden simulieren.

WP3: Potenzialanalyse von NOcsPS-Anbausystemen

Für die Potenzialanalyse von NOcsPS-Anbausystemen wird ein optimierendes ökonomisch-ökologisches Regionalmodell entwickelt, in das die Ergebnisse von AP1, AP2 und AP3 integriert werden. Durch die Verknüpfung mit einer Lebenszyklusanalyse können auf dieser Basis regionale Produktions-, Einkommens-, Arbeits- und Umwelteffekte unter verschiedenen Preis- und Politikszenarien zur Förderung von NOcsPS-Anbausystemen abgeleitet werden

WP4: Entwicklung eines Transformationskonzepts

Das Herausarbeiten verschiedener Strategien zur Umsetzung von NOcsPS-Anbausystemen erfolgt in Kooperation mit dem Cluster Marktpotenzial und Umsetzungsstrategien (VP17,18). Dabei bestehen verschiedene Ausgestaltungs- und Umsetzungsoptionen für ein NOcsPS-System, hinsichtlich der Anbaubedingungen und Politikoptionen. Im Rahmen von Querschnittsworkshops des NOcsPS-Verbundes werden verschiedene Umsetzungsszenarien für eine Potenzialanalyse definiert.